Rückblick Fachforum Wissen 2016

Inhalt

Rückblick Fachforum Wissen 2016

Titel

„Hochbegabte Kinder - Wie sich eine Hochbegabung früh zeigt und was zu tun ist"

Termin und Ort

13. Juni 2016
17:00 - 20:00 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt

Kooperationspartner

Hessisches KinderTagespflegeBüro (HKTB), Institut für familiale und öffentliche Erziehung, Bildung, Betreuung e. V. (ifoebb) und Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Fachvortrag von

Dorothea Schlegel-Hentrich, Diplom-Pädagogin und Counsellor M. A.

Inhalte

Das Fachforum Wissen 2016 widmet sich dem Thema Hochbegabung und bietet für unterschiedliche Professionen die Möglichkeit des fachlichen Austauschs. Neben Tagespflegepersonen und Erzieherinnen sind auch Fachberaterinnen sowie Referentinnen aus der Kindertagespflegequalifizierung bei der Abendveranstaltung anwesend. Prof. Dr. Heide Kallert, die Vorsitzende des ifoebb, und Ursula Diez-König, Leiterin des HKTB, begrüßen das interessierte Publikum, bevor Dorothea Schlegel-Hentrich ins Thema einsteigt.
 

Die seit vielen Jahren im Kontakt mit hochbegabten Kindern und ihren Eltern erfahrene Referentin stellt an Beispielen aus ihrer Beratungsarbeit die Merkmale einer Hochbegabung vor. Daraus ergeben sich Wege des Verstehens und der Interpretation von unterschiedlichen Verhaltensweisen sowie Möglichkeiten für den Umgang mit Menschen, die solch universelle Begabungen besitzen.  
 

Die Referentin macht gleich zu Beginn deutlich, dass es für den Aufbau einer langfristig guten Beziehung wichtig ist, zu verstehen, wie Hochbegabte denken können. „Hochbegabung kann man sich nicht aussuchen, man ist es immer!“, betont Dorothea Schlegel-Hentrich. Je jünger die Kinder, desto größer sei die Schere zwischen hohen Denkleistungen, altersentsprechendem Verhalten und auf der anderen Seite Schwankungen im kindlichen Verhalten. Dieses Phänomen erläutert sie mit der hohen Motivation hochbegabter Menschen. Sie müssten viel denken, seien eher ernsthafte Personen und suchten immer nach neuen Herausforderungen. Wenn sie motiviert seien, besäßen sie das Potential zu besonderen Leistungen und hätten die Fähigkeit, Probleme schnell zu lösen. Wenn kleine Kinder sich auf diese Weise gedanklich stark nach vorne wagten, könne auf einmal Angst aufkommen, sodass sie im nächsten Augenblick wieder zurückfallen in regressive Handlungsweisen. So liege die Schwankung im Verhalten z. B. eines Vierjährigen häufig zwischen zwei und sechs Jahren. „Mit etwa 16 Jahren lassen solche Entwicklungssprünge nach“, resümiert die Referentin aus ihren Erfahrungen.

Fachforum Wissen 2016

 

„Was diese Kinder brauchen, ist besonderes Augenmerk auf die sozialen Komponenten, nicht auf die kognitiven“, führt sie weiter aus. Kognitiv seien sie auf der Höhe und könnten beispielsweise praktische Fertigkeiten – wie das Fahrradfahren – theoretisch erfassen, bevor sie diese dann ohne zu üben perfekt umsetzten. Auch seien sie in der Lage, verschiedene Signale gleichzeitig aufzunehmen. So könnten sie z.B. zählen, während sie sprechen oder komplexe Zeichnungen anfertigen, während sie zeitgleich intensiv diskutieren. Frau Schlegel-Hentrich geht auf unterschiedliche Verhaltensmerkmale hochbegabter Kinder ein und schildert, welche Gefühle bzw. Verhaltensweisen die beschriebenen Eigenschaften bei ihnen auslösen können. Diese werden von Erziehenden häufig als herausfordernd und auffällig erlebt. So kann beispielsweise die Fähigkeit zur schnellen Informationsaufnahme dazu führen, dass das Kind im Umgang mit anderen ungeduldig wird und dies deutlich zeigt. Inaktivität kann bei hochbegabten Kindern hohe Frustration auslösen, da sie ein hohes Maß an Energie haben. Der Aktivitätsdrang kann wiederum andere stören. Ein weiteres Beispiel ist die Neigung zu systematisieren, die oft als dirigistisch und dominant erlebt wird. Die gezeigte tabellarische Gegenüberstellung wird von den Teilnehmenden des Fachforums Wissen als besonders hilfreich sowohl für das Verständnis als auch für das praktische Handeln der Bezugspersonen empfunden (Folien 24 bis 28 in der Präsentation auf der rechten Seite).

 

„Kinder sollten im Laufe der Zeit lernen, ein Verhältnis zu ihrer Hochbegabung zu entwickeln, um die eigenen Regungen, Wünsche und Gedankengänge besser einordnen und verstehen zu können“, so die Empfehlung der Referentin. In der Konsequenz bedeute dies für Eltern und Betreuungspersonen Transparenz und Sensibilität im Umgang mit Hochbegabung. Konkret könne es auch hilfreich sein, bei unterschiedlichen Entscheidungen den Kindern immer einen Entscheidungsspielraum zu überlassen, Regeln auf das Wesentliche zu reduzieren („big points“) und den Kindern auch an bestimmten Stellen Verantwortung zu übergeben. Frau Prof. Dr. Kallert ergänzt diese Erkenntnisse durch ihre Erfahrung, dass das Interesse am Gegenüber eine große Rolle spielt: „Es ist sehr wichtig und gut, wenn die Person merkt, dass ich Freude an dem habe, wie sie denkt, und mich für ihre Denkwege interessiere.“

 

Am Ende der Veranstaltung werden Ansprechpartner für das Thema Hochbegabung erfragt. Hier kommen neben der Referentin zwei weitere Möglichkeiten in Frage:

Publikationen zu Hochbegabung

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