Rückblick auf die Fachtagung Blickpunkt Kindertagespflege 2019

Inhalt

Rückblick auf die Fachtagung Blickpunkt Kindertagespflege 2019

Titel

„kompetent – innovativ – stark
Kindertagespflege stärken – Impulse aus der Praxis in Hessen“

 

Termin und Ort

28. Oktober 2019
9:30 - 16:30 Uhr
Wetzlar

 

Kooperationspartner

Hessisches KinderTagespflegeBüro
Hessisches Ministerium für Soziales und Integration 

 

Bilder

Fotos vom Fachtag finden Sie in unserer Bildergalerie.

 

Fachvortrag von

Anne Schumacher, Projektkoordinatorin im Bundesprogramm „ProKindertagespflege“

 

Inhalte

Begrüßung

Ursula Diez-König, die Leiterin des Hessischen KinderTagespflegeBüros, eröffnet die gut besuchte Fachtagung und heißt alle Anwesenden zu dieser Kooperationsveranstaltung mit dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) willkommen. Die Referentin für frühkindliche Bildung beim HMSI, Heike Hofmann-Salzer, begrüßt im Namen vom Herrn Minister Klose und übernimmt mit ihrem Grußwort den inhaltlichen Einstieg in das Thema. Der Ausbau der Kindertagespflegeplätze sei in den vergangenen zehn Jahren sehr gut vorangeschritten: sowohl die Betreuungszeiten als auch die Zahl der Plätze und des Personals hätten sich deutlich erhöht. Sie verweist auf den aktuellen Ländermonitoring der Bertelsmann Stiftung : Mehr als 3,2 Millionen Kinder in Deutschland wurden im Jahr 2018 außerfamiliär betreut; im Jahr 2008 haben rund 364.000 Kinder unter drei Jahren eine Kita besucht oder wurden in Kindertagespflege betreut, im Jahr 2018 waren es bereits mehr als doppelt so viele – nämlich rund 790.000. Und auch der Arbeitsmarkt ist deutlich expandiert: So hat sich die Zahl des pädagogischen Personals in Kita und Kindertagespflege um 51% auf mehr als 626.300 erhöht. Der Fokus liege aber genauso auf der Qualitätsentwicklung in der pädagogischen Arbeit, der sich diese Tagung widme. Der Ausbau der Plätze in Hessen wird jedoch immer flankiert durch eine Reihe von Maßnahmen, die die Qualität sichern und weiter voranbringen. Mit Blick auf das Land werde Qualitätssicherung durch die Bildungsphilosophie deutlich. „Hessen war das erste Land in der Bundesrepublik, das Kindertagespflege im Gesamtsystem der Kinderbetreuung fest verankert hat“, betont Heike Hofmann-Salzer. „Mit dem Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan (BEP), den BEP-Qualifizierungen und der BEP-Qualitätspauschale setzt Hessen ein deutliches Signal für den Qualitätsausbau“, ergänzt sie.

 

Kooperationen hätten im frühkindlichen Bereich einen ganz besonderen Wert. Damit Kinder bruchfreie Biografien der Betreuung erlebten, seien solche Projekte wie TaKKT (Kindertagesp­flege in Kooperation mit Kindertageseinrichtungen) sehr wichtige Initiativen. Das HKTB habe viele Landesprojekte vorangetrieben und werde am Fachtag das Kooperationsprojekt näher beleuchten. Den Abschluss des Tagesprogramms bilde die Vorstellung der neuen Broschüre „Kindertagespflege: Wie Qualität für jedes Kind entstehen kann“, die das HKTB in einem multiprofessionellen Team entwickelt habe.

 

Am Schluss ihrer Rede dankt die Referentin dem HKTB und insbesondere Frau Diez-König, die sich Ende des Jahres in den Ruhestand verabschiedet, für die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Die Innovationen, die immer wieder von Hessen ausgehen, seien auch dem HKTB zu danken. Sie bedauert das Ausscheiden von Frau Ursula Diez-König: „Die Kindertagespflege in Hessen hat auch durch Sie immer wieder Impulse gesetzt für Qualität und Profilschärfung.“

 

Einstiegstalk „Qualität in der Kindertagespflege – stärken und wachsen“

Für den Einstiegstalk werden Akteurinnen und Akteure aus den Modellstandorten des Landesprogramms TaKKT II, des alten Bundesprogramms „Kindertagespflege: Weil die Kleinsten große Nähe brauchen“ und des neuen Bundesprogramms „ProKindertagespflege: Wo Bildung für die Kleinsten beginnt“ nach vorne geladen:

 

  • Silke Latscha (Kreis Bergstraße, altes Bundesprogramm)
  • Claudia Joachim (Stadt Hanau, altes Bundesprogramm)
  • Aylin Hunold (Landkreis Fulda, altes und neues Bundesprogramm)
  • Falko Jana (Stadt Fulda, altes und neues Bundesprogramm)
  • Elke Horneck (Kreis Bergstraße, altes und neues Bundesprogramm)
  • Gabriele Bootz (Stadt Wiesbaden, neues Bundesprogramm)
  • Daniela Macsenaere (Landesprojekt TaKKT II)

 

Fragen zu den Motivationsgründen an den Programmen teilzunehmen, zu Herausforderungen und wichtigen Stellschrauben für eine gelungene Grundqualifizierung nach dem Kompetenzorientierten Qualifizierungshandbuch (QHB) und zu dem Qualitätsgewinn durch die Beteiligung an den Programmen zeichnen ein umfangreiches Bild von den einzelnen Regionen. Die Akteurinnen und Akteure berichten außerdem von sonnigen und  wolkigen Situationen im Prozess der Umsetzung und darüber, wie die Programme die Qualität in der Kindertagespflege stärken konnten.

 

 

Fachvortrag „Meilensteine der Qualität – Hessens Weg(e) im Bundesprogramm `Kindertagespflege`“

Anne Schumacher, Projektkoordinatorin im Bundesprogramm „ProKindertagespflege“, hält den Fachvortrag der Tagung. Sie stellt einzelne hessische Modellstandorte vor und gibt einen statistischen Überblick zum Bundesprogramm. Dabei lässt sie die Teilnehmenden wissen, dass sich Qualität nicht immer messen lässt. „Die 31 Standorte aus 11 Bundesländern, die bisher am Bundesprogramm teilgenommen haben, sind alle sehr unterschiedlich. Es lässt sich demnach nicht der einzig richtige Weg zur guten Qualität beschreiben. Was ich aber wichtig finde, ist zu zeigen, dass verschiedene Modelle adaptierbar sind“, fasst die Referentin ihr Anliegen zusammen.

In Hessen haben sich sieben Standorte am Bundesprogramm beteiligt (die Städte Hanau,  und Fulda, sowie die Landkreise Fulda, Main-Kinzig, Groß-Gerau, Bergstraße und Lahn-Dill). Dort lässt sich feststellen, dass die Zahl der in Kindertagespflege betreuten Kinder deutlich angestiegen ist, während die Zahl der Kindertagespflegepersonen abgenommen hat und die Zahl der Kinder in der Kindertagesbetreuung insgesamt nur unwesentlich höher ist. Die Referentin schlussfolgert daraus, „…dass die Kindertagespflegepersonen im Bundesprogramm ihre Tätigkeit 2018 berufsmäßiger ausübten als 2016; pro Kindertagespflegestelle wurden mehr Tageskinder betreut“. Diese Erkenntnis wirke sich auf die Akquise aus. Mit der Einführung des Kompetenzorientierten Qualifizierungshandbuchs (QHB) als grundlegendes Qualifizierungskonzept müsse bedacht werden, dass die Entscheidung für diesen beruflichen Weg eine bewusstere sei und entsprechend auch neue Zielgruppen in Frage kämen.

 

Am Ende ihres Vortrags resümiert Anne Schumacher wesentliche Erfahrungswerte aus dem Bundesprogramm. Als schwierig hätten die Standorte die Pflege der Netzwerke und Kooperationen empfunden, die sehr arbeitsintensiv gewesen seien. Auch würde der Wunsch bestehen, die Inhalte des QHBs zu vereinfachen, da diese sehr komplex seien. Daran werde aktuell gearbeitet, so die Referentin. „Als sehr positiv hingegen wurde die Kompetenzorientierung der Qualifizierung wahrgenommen, da sie richtungsweisend ist und sich am einzelnen Menschen orientiert“, betont die Fachfrau. Insgesamt habe es durch das QHB eine Aufwertung des Systems Kindertagespflege gegeben, da die Art der Qualifizierung ein wesentliches Merkmal der Qualität ausmache. Für eine gelungene Umsetzung empfiehlt Anne Schumacher, möglichst alle Akteurinnen und Akteure des Systems mitzunehmen und sie in den Prozess einzubeziehen.

 

Schließlich kommt sie auf den Beitrag des Hessischen KinderTagespflegeBüros (HKTB) zur Entstehung und Begleitung des QHB zu sprechen. Das HKTB habe im Rahmen der Entwicklung des QHB bei der Expert*innenrunde des Deutschen Jugendinstitutes teilgenommen. Zudem sei der vom HKTB entwickelte Wirtschaftsplan Teil des QHB. Zur Implementierung des QHB begleitende Angebote des HKTB seien TTT-Seminare, die in der Vergangenheit durchgeführt wurden, und Vernetzungstreffen für Modellstandorte.

 

Drei Runden Hessen-Café

Nach der Mittagspause gibt es die Möglichkeit, zwischen sechs verschiedenen Themen des Fachaustauschs zu wählen. Die Fachtagsteilnehmenden können insgesamt drei verschiedene Hessen-Café-Tische aufsuchen und dort zu den jeweiligen Themen diskutieren.

 

Praxisdialog 1: Kooperation und Vernetzung Kindertagespflege/ Kita (Daniela Macsenaere)

In diesem Praxisdialog geht es um Herausforderungen und Vorteile der Kooperation zwischen den beiden Betreuungssystemen. Die Leiterin des Projektes TaKKT II (Kindertagespflege in Kooperation mit Kindertageseinrichtungen) aus dem Institut für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ), Daniela Macsenaere, berichtet von wichtigen Erfahrungen aus dem Projekt. Grundlegend für das Gelingen ist, dass Kooperation Steuerung braucht und ein gutes Gesamtsystem für die Platzvergabe besteht. Darüber hinaus sind wichtige Themen die Konkurrenz zwischen den beiden Systemen und die Art und Weise, wie man ihr begegnen kann, sowie damit zusammenhängend die Aufklärung in Bezug auf die beiden Betreuungsbereiche. Wenn die Kooperation gut begleitet wird und wichtige Grundlagen gelegt sind, entstehen viele Synergieeffekte, die eine Qualitätssteigerung ermöglichen. Beispielsweise kann Vertretung zwischen den Systemen gelebt werden und es können gemeinsame Angebote für Familien zur Verfügung gestellt werden.

 

Praxisdialog 2: Qualitätssicherung für die Fachberatung (Claudia Joachim)

Die Fachberatung agiert im Rahmen ihres Arbeitsbereichs auf vielen verschiedenen Ebenen. U.a. arbeitet sie mit Kindertagespflegepersonen, anderen Fachberaterinnen und Fachberatern, mit der Fachaufsicht und mit Referentinnen und Referenten zusammen. Qualitätssicherung in dem Feld braucht deshalb Zeit und es braucht einen regelmäßigen Austausch auf allen Ebenen. Beziehungsarbeit mit allen beteiligten Akteurinnen und Akteuren ist hier eine entscheidende Komponente. Um die Qualität der eigenen Arbeit zu steigern, können außerdem solche Instrumente, wie eine Evaluation im Rahmen einer Elternberatung genutzt werden. Wie bei der Qualifizierung auch, ist für die Fachberatung kompetenzorientiertes Begleiten von Kindertagespflegepersonen grundlegend.

 

Praxisdialog 3: Ausbau der kompetenzorientierten Qualifizierung/ QHB (Silke Latscha)

Der Schwerpunkt dieses Praxisdialogs liegt bei den Spezifika und dem Mehrwert durch die kompetenzorientierte Qualifizierung. Als sehr wünschenswert wird beschrieben, dass jede/r Referent/in, der bzw. die im Rahmen einer kompetenzorientierten Qualifizierung tätig wird, auch ein Train-the-Trainer-Seminar besucht. Insgesamt wird das Konzept der kontinuierlichen Kursbegleitung als sehr bereichernd für die Qualitätssteigerung beschrieben. Sie ermöglicht eine individuelle Kompetenzbegleitung, eine gute Steuerung von Gruppenprozessen und bietet die Möglichkeit, zu zweit (KKB und Referent/in) über den Qualifizierungskurs zu reflektieren.

 

Praxisdialog 4: Erfahrungen zum Thema Finanzierung (Anne Schumacher)

Untrennbar mit den Finanzierungsmöglichkeiten hängen die Rahmenbedingungen in der Kindertagespflege zusammen. Um die Rahmenbedingungen zu verbessern, muss man bei der Politik gekonnt argumentieren. Inzwischen trifft es nicht mehr unbedingt zu, dass die Kindertagespflege günstiger ist als die Betreuung in Kindertageseinrichtungen. In jedem Fall ist die Kindertagespflege aber nicht teurer. Und das ganz entscheidende ist, dass sie ein anderes Profil bietet als die Kindertageseinrichtungen, in das es sich zu investieren lohnt. Bereichernd ist auch, dass Kindertagespflegepersonen oft Personen sind, die bereits einen anderen Beruf erlernt haben und entsprechend vielfältige Berufs- und Lebenserfahrung mitbringen. Eine weitere Erkenntnis des Praxisdialogs ist außerdem, dass  es eine gute Lobbyarbeit braucht, um die Finanzierung der Kindertagespflege positiv zu beeinflussen.

 

Praxisdialog 5: Öffentlichkeitsarbeit/ Akquise (Elke Horneck)

Die Öffentlichkeitsarbeit in der Kindertagespflege läuft oft über eine Mund-zu-Mund-Propaganda. Dies sollte allerdings nicht der einzige Kanal bleiben, um die Kindertagespflege dauerhaft in der Öffentlichkeit zu platzieren. Hilfreich ist es, Kooperationspartner zu finden, mit denen gemeinsam Akquise und Öffentlichkeitsarbeit durchdacht und umgesetzt werden kann. Ganz nach dem Motto „steter Tropfen höhlt den Stein“ braucht es hier einen langen Atem, um Erfolge zu erzielen. Manchmal lohnt es sich, auch Expertinnen oder Experten einzubeziehen und Aufträge nach außen zu vergeben.

 

Praxisdialog 6: Offener Praxisdialog (HKTB)

Der Praxisdialog 6 bietet Möglichkeiten, ganz verschiedene Themen zur Sprache zu bringen und sie gemeinsam zu durchdenken. Dies wird von den Teilnehmenden vielfältig genutzt. Themen dieses „offenen“ Hessen-Cafés sind z.B. die Kooperation zwischen Kindertagespflege und Kindertageseinrichtungen oder zwischen Fachaufsicht und Fachberatung sowie Anreize für QHB-Qualifizierungen und deren Begleitung. 

 

Vorstellung der druckfrischen Broschüre „Kindertagespflege – Wie Qualität für jedes Kind entstehen kann“

Professorin Dr. Heide Kallert vom Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main, eine der Autorinnen, führt in das Thema ein, indem Sie die Broschüre und dessen Inhalte in einem wissenschaftlichen und historischen Kontext beleuchtet. Am Ende ihres Einstiegs resümiert sie den wesentlichen Ansatz der Broschüre und stellt ihn in einen größeren Zusammenhang: „Von den grundlegenden Bedürfnissen der kleinen Kinder auszugehen und zu erkennen, dass die Bedürfnisse aller Beteiligten diesen deutlich entsprechen, bringt eine neue Verbindung zwischen dem allgemein anerkannten Grundsatz, das Kind stehe im Mittelpunkt, also dem feststehenden Kriterium, und dem Individuellen in jeder erwachsenen Person, die im Feld der Kinderbetreuung tätig ist. Es führt zu einem neuen Vorgehen bei den Anregungen zur Reflexion. Wichtiger noch: es führt zu einer neuen Sicht in der Qualitätsentwicklung. Mit der Anregung, sich mit Hilfe der Reflexionsfragen über die eigenen Bedürfnisse und die der anderen sowie über die Wege zu deren Erfüllung bewusst zu werden, wird der Blick vom Fordern auf das Ermöglichen von Qualität gewendet.“

 

Anschließend nimmt die Professorin teil an einem Talk zur neuen Broschüre des HKTB, dessen Herausgabe durch das Hessische Ministerium für Soziales und Integration gefördert wurde. An der Runde sind die Autorinnen und der Autor der Broschüre beteiligt, mit Ausnahme der freien Bildungsjournalistin Inge Michels, die leider nicht anwesend sein kann, deren schriftliche Stellungnahme jedoch verlesen wird. Inge Michels, Professorin Dr. Heide Kallert, die Fachberaterin und Fortbildnerin Marion Limbach-Perl, Fachdienstleiter für Kindertagesbetreuung Gunther Kirchner-Peil sowie die drei Pädagoginnen Ursula Diez-König, Christiane Mickel und Olga Janzen aus dem Team des HKTB haben in einem gemeinsamen dreijährigen Schaffensprozess die Broschüre entwickelt und stellen nun das Konzept und die Inhalte im Wesentlichen vor.

 

Multiperspektivischer Ansatz

In der Broschüre wird Qualität in der Kindertagespflege aus unterschiedlichen Perspektiven beschrieben. Durch die im Team vertretenen Personen war es möglich, die Blickwinkel aus der Kindertagespflegepraxis, aus der Fortbildung, aus der Fachberatung und der Fachaufsicht sowie aus der Wissenschaft einzubeziehen. Darüber hinaus wurden im Rahmen von Interviews und Fortbildungsabenden Erfahrungen von weiteren Menschen berücksichtigt, die aktuell im System Kindertagespflege tätig sind: sei es als Tagesmutter oder Tagesvater, als Fachberaterin oder Fachberater, als Fachaufsicht, als Referentin oder Referent oder als in der Praxisbegleitung und Supervision wirkende Person.

 

Aus dem Prozess entstanden ist nun eine gut strukturierte, fachlich fundierte, anschauliche Broschüre. Sie verfolgt den Ansatz, dass jede Akteurin und jeder Akteur im System Kindertagespflege die gleichen elementaren Bedürfnisse hat, wie die Kinder. Wie aber hängen die Bedürfnisse jedes Einzelnen mit dem Entstehen von Qualität zusammen? Die These: Jede Akteurin und jeder Akteur im System Kindertagespflege trägt zur guten Qualität für das einzelne Kind bei und dies gelingt umso besser, je konsequenter die Bedürfnisse aller beachtet und annähernd optimal erfüllt werden können.

 

System Kindertagespflege und dessen Akteurinnen und Akteure

Es wird durch die Brille der vier professionellen Akteurinnen und Akteure in der Kindertagespflege auf sechs elementare Bedürfnisse geblickt, und zwar mit einem systemischen Ansatz.  Der Fokus liegt auf den Aufgaben der Kindertagespflegepersonen, der öffentlichen und freien Träger, der öffentlichen Jugendhilfeträger und der Bildungsträger, deren Zuständigkeiten ganz vielfältig miteinander verzahnt sind.

Ganz wichtig sind auch die Eltern. Die Zusammenarbeit mit Eltern und der Blick auf deren Bedürfnisse tragen ganz entscheidend zum Gelingen der Betreuung in Kindertagespflege bei. Ihnen wird ein eigenes, sich von der Systematik der Broschüre unterscheidendes Kapitel gewidmet.

 

Spirale der Qualitätsentwicklung

Die Broschüre enthält keine Empfehlungen, sondern zeigt mittels des Blicks auf die Bedürfnisse aller Akteurinnen und Akteure und der selbstreflektierenden Fragen einen Weg auf, wie Qualität im eigenen Arbeitsbereich beleuchtet werden kann. Jede Akteurin und jeder Akteur hat die Möglichkeit, sich mit Fragen zur Qualität im eigenen System – dem, was die Person selbst benötigt und dem, was sie beitragen kann – auseinanderzusetzen und sich so in eine Spirale der Qualitätsentwicklung zu begeben. Jede und jeder hat damit die Chance, seinen Verantwortungsbereich zu beleuchten und die eigenen Handlungsmöglichkeiten auszuloten.

 

Weitere Grundlagen der Broschüre

Eine klare Haltung der Broschüre ist der Fokus auf das Kind. Es wird konsequent vom Kind aus gedacht und die Frage gestellt: Wie muss das gesamte System der Kindertagespflege (in Hessen) aufgestellt sein, um so agieren zu können, dass gute Qualität und deren Wirkungen bei jedem einzelnen Tageskind ankommen? Das Kind in den Mittelpunkt des Denkens zu stellen, entspricht auch der Philosophie des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplans für Kinder von 0 bis 10 Jahren.

 

Ziel und Einsatzbereiche der Publikation

Mit der Broschüre wollen die Autorinnen und der Autor zu einer neuen Sensibilität für Qualität aufrufen und Impulse für Qualitätsentwicklungsprozesse setzen. Das Entwicklungsteam ist davon überzeugt, dass Reflexionsfragen im Dialog mit sich selbst und mit anderen anregend wirken und Veränderungen anstoßen können. In diesem Sinne können die Reflexionsfragen beispielsweise zur Selbstevaluation, für die (Weiter-)Entwicklung einer schriftlichen Konzeption, in der Supervision und/oder kollegialen Beratung, in Dienstbesprechungen, Fortbildungen oder Arbeitsgruppen verwendet werden.

 

Die Akteurinnen und Akteure des Systems Kindertagespflege werden damit entlastet und ermutigt, auf sich selbst zu schauen. Wer sich selbst im Blick behält und wertschätzend mit seiner eigenen Arbeit, seinem Engagement für Kindertagespflege umgeht, kann im besten Sinne verantwortungsvoll auf andere schauen. Dies ist herausfordernd und entlastend zugleich.

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