Rückblick auf die Fachtagung Blickpunkt Kindertagespflege 2016

Inhalt

Rückblick auf die Fachtagung Blickpunkt Kindertagespflege 2016

Titel

„gemeinsam – vielfältig – für alle
Inklusion in der Kindertagespflege“

Termin und Ort

15. März 2016
9:00 - 16:00 Uhr
Frankfurt

Kooperationspartner

Hessisches KinderTagespflegeBüro
Hessisches Ministerium für Soziales und Integration 

Bilder

Fotos vom Fachtag finden Sie in unserer Bildergalerie.

Fachvorträge von

Daniela Kobelt Neuhaus, Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie

Dr. Bettina Jooss, FRIZ Frühinterventionszentrum Heidelberg

 

Inhalte

Grußwort

Mit einem Plädoyer für den Ausbau der Kindertagespflege als inklusiven Bildungsort eröffnete Cornelia Lange, die Abteilungsleiterin „Familie“ im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, inhaltlich die Fachtagung. „Kindertagespflege bietet sehr, sehr große Chancen insbesondere für Kinder unter drei Jahren und mit Förderbedarf“, betonte sie. Auch für Kinder mit Fluchterfahrungen und mit schwierigem sozio-ökonomischen Hintergrund biete die Kindertagespflege mit ihrem besonderen Setting ein förderliches, niedrigschwelliges Umfeld.

In Hessen gebe es bereits eine jahrelange Tradition der integrativen Pädagogik, sodass Kinder mit Behinderungen nicht in „Sonderkitas“, sondern wohnortnah betreut würden. Die inklusive Haltung, die Diversität als ein pädagogisches Grundprinzip betrachtet und auch im Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan verankert ist, gelte es auszubauen.

Diesen Worten schloss sich Ursula Diez-König, die Leiterin des Hessischen KinderTagespflegeBüros an: „Das Setting der Kindertagespflege – so sind wir überzeugt – bietet gute Voraussetzungen für die Betreuung aller Kinder“.

 

Fachvortrag „gemeinsam – vielfältig – für alle. Inklusion in der Kindertagespflege“

Im anschließenden Vortrag ging Daniela Kobelt Neuhaus aus dem Vorstand der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie auf den Grundgedanken der Inklusion ein: das partizipative Zusammenleben von Menschen, die alle anders sind. Bei Inklusion gehe es um Teilhabe, um Mitbestimmung und Mitgestaltung, und zwar von Anfang an. Als ein bedeutender Teil der Bildungskette, der oft der erste in der familienergänzenden Betreuung sei, habe die Kindertagespflege eine Schlüsselfunktion. „Tagespflegepersonen sind Türöffner für weitere Erfahrungen im Bildungssystem für Kinder“, betonte die Referentin. Insofern gelte es, die Pädagogik der Vielfalt zu fördern und den entsprechenden Rahmen dafür zu schaffen. Neben der Orientierung an den Ressourcen von Kindern und Eltern, dem Aufbau von Netzwerken – z. B. die sozialräumliche Vernetzung der Tagespflegepersonen mit Bibliotheken, Ergotherapeutinnen und -therapeuten, Erziehungsberatungsstellen etc. –, einer vorurteilsbewussten Kommunikation, gehöre auch das gezielte Gestalten der Betreuungsumgebung beispielsweise mit vielfältigen, nicht stereotypen Spielmaterialien und einer entwicklungsgemäßen Raumgestaltung dazu. Hier biete der Hessische Bildungs- und Erziehungsplan eine „Fundgrube an Themen“, die eine inklusive Haltung fördern. Auch die gesetzliche Grundlage im § 22 des Kinder und Jugendhilfegesetzbuches (KJHG) biete bereits alle notwendigen Anhaltspunkte, um Familien gemäß den genannten Aspekten zu unterstützen. Die konsequente Umsetzung der Grundlagen sei ein zentraler Schritt in die richtige Richtung.

Im Anschluss an den Fachvortrag entstand ein intensiver Austausch mit Nachfragen, Rückmeldungen zu den Inhalten und Dank an die Referentin für die vielfältigen Perspektiven, die sie im Vortrag eingebracht hat. Eine Teilnehmerin aus dem Publikum fasste den für sie wichtigsten Leitgedanken des Vormittags zusammen: „Bei Inklusion geht es vor allem um Wertschätzung und die entsprechende Haltung, mit der sich Menschen begegnen“.

 

Markt der Möglichkeiten

Am Nachmittag hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich an sechs Informationsständen zu verschiedenen Aspekten von Inklusion auszutauschen. Dort stellten die jeweiligen Referentinnen und Referenten sich sowie ihre Institutionen vor und diskutierten mit den Fachtagsgästen anhand von Leitfragen die Verbindung des speziellen Standthemas zu Inklusion und zu Kindertagespflege.

 

Alltagsintegrierte Sprachförderung in der Kindertagespflege
Vorstellung von HIT – Heidelberger Interaktionstraining zur Förderung ein- und mehrsprachiger Kinder

Als letzter Programmpunkt des Fachtags stand die alltagsintegrierte Sprachförderung im Fokus. Dr. Bettina Jooss, die Leiterin des Frühinterventionszentrums in Heidelberg verdeutlichte, wie wichtig es sei, natürliche Interaktionen im Betreuungsalltag gezielt als Sprachanlässe zu nutzen. „Leider erhalten gerade die Kinder, die vermehrt Gelegenheiten zum Wahrnehmen und Anwenden von Sprache benötigen, ein quantitativ und/oder qualitativ weniger günstiges Sprachangebot“, berichtete die Referentin aus ihren Erfahrungen und nahm dabei Bezug auf mehrere Studien. Sie schlussfolgerte, dass gezielte Interaktionsschulungen für Bezugspersonen dabei helfen, Unsicherheiten mit sprachauffälligen Kindern abzubauen und neue Kompetenzen zu erwerben. Mit HIT, dem Heidelberger Interaktionstraining, welches interaktiv arbeite und u.a. Videosupervision als Methode nutze, lernten Fachkräfte ihre Sprachangebote auf die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder anzupassen und erlangten das notwendige Fachwissen zu diesem Themenbereich. Eine Evaluation von HIT habe positive Effekte auf die Handlungskompetenz von pädagogischen Fachkräften als auch einen Anstieg der Sprechfreude bei Kindern ergeben.

 

Neben zahlreichen Gelegenheiten für fachlichen Austausch, für das Kennenlernen unterschiedlicher Projekte und für die intensive Beschäftigung mit dem facettenreichen Thema „Inklusion in der Kindertagespflege“, gab es auch die Möglichkeit, sich mit seinen eigenen besonderen Merkmalen gedanklich zu befassen. Bunte Zettel mit der Frage „Was macht mich besonders?“ gaben Anlass zum Nachdenken über die eigene Exklusivität, über das, was uns ausmacht. Die Teilnehmenden sind dieser Frage nachgegangen und hinterließen eine Pinnwand voller Vielfalt.

Was macht mich besonders?

 

Wir bedanken uns bei allen Mitwirkenden für die gute Zusammenarbeit sowie bei den Teilnehmenden für ihr Interesse und die vielen positiven Rückmeldungen.

Inhaltsblöcke