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Kindertagespflegetag in Hannover

Nachfolgestudie zur leistungsorientierten Vergütung

Prof. Dr. Stefan Sell vom Institut für Bildungs- und Sozialpolitik der Hochschule Koblenz (ibus) stellte in seinem Vortrag die Nachfolgestudie zur leistungsorientierten Vergütung in der Kindertagespflege vor. Ende 2011 wurden bereits im Auftrag des Bundesverbandes deutschlandweit Erhebungen zur Vergütungsstruktur durchgeführt. Drei Jahre später, im Dezember 2014 bis Januar 2015 wurden nun die gleichen Parameter erfragt, um die seither entstandenen Veränderungen im Vergütungssystem abzubilden. Dabei beteiligten sich die Jugendämter in Deutschland mit fast 90 %. Sie wurden zu unterschiedlichen Aspekten der Vergütung in der Kindertagespflege befragt, wie z. B. zur Höhe und Staffelung der laufenden Geldleistung, zum Umgang mit Sonderzeiten der Betreuung, wie Übernachtungen oder Randzeiten, aber auch zu den Regelungen bei Aufnahme von Kindern mit besonderem Förderbedarf, bei Fehlzeiten sowie zu den Themen Sozialversicherung und Elternbeteiligung. Neu hinzugekommen bei der Nachfolgestudie 2014/2015 ist die Frage nach Zuzahlungen durch Eltern.

Insgesamt ist die Entwicklung zu beobachten, dass die Vergütung in der Kindertagespflege im bundesdeutschen aber auch im hessischen Durchschnitt angestiegen ist. Während sie beim ersten Erhebungszeitraum Ende 2011 in Hessen durchschnittlich bei 3,10 Euro pro Stunde und Kind für Tagespflegepersonen mit einer 160-Unterrichtseiheiten-Qualifizierung lag, ist dieser Wert aktuell auf 4,18 Euro angestiegen. Da diese Zahlen einen Durchschnitt darstellen und die Entwicklungen in den einzelnen Kreisen, kreisfreien Städten und Gemeinden sehr unterschiedlich sind, möchten wir uns dem Hinweis des Referenten, dass die Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind, gerne anschließen.

Die erhobenen Daten zeigen, dass sich viele Träger der öffentlichen Jugendhilfe in Deutschland mit den oben genannten Kriterien beschäftigen und Regelungen hierfür herausgearbeitet haben. Auffallend im Vergleich zur Erststudie sind Verbesserungen in Bezug auf die Eingewöhnungszeit; diese wird inzwischen von 90 % der Jugendhilfeträger bezahlt. Demgegenüber werden Vor- und Nachbereitungszeiten, die einen wichtigen Teil der Kindertagespflegetätigkeit ausmachen, bisher nur von einigen wenigen Standorten gesondert vergütet. Weitere Kriterien, wie Staffelungen z. B. nach Qualifikation oder Alter der Kinder, Aufteilung in Sachaufwand und Förderleistung oder Zuschläge für die Betreuung von Kindern mit erhöhtem Förderbedarf bewegen sich im mittleren Bereich; sie werden von 52 % bis 63 % der Jugendhilfeträger berücksichtigt. Da Zuzahlungen von Eltern durch 56 % der deutschen Jugendhilfeträger verboten sind, stellte sich bei dem Vortrag die Frage nach dem Charakter der Selbständigkeit in der Kindertagespflege, die bekanntermaßen nur schwer zu beantworten ist. In diesem Zusammenhang wurden auf der anderen Seite Festanstellungsmodelle genannt, die bisher mit nur 14,6 % verbreitet sind.

Trotz der positiven Entwicklung in den letzten Jahren, die die genannten Zahlen aus der Untersuchung andeuten, ist zu hinterfragen, warum an vielen Standorten wichtige Kriterien zur Gestaltung eines leistungsorientierten Förderbetrags immer noch keine Berücksichtigung finden. Wir bleiben gespannt auf das Erscheinen ausführlicher Daten aus der Nachfolgestudie.

Neue revidierte Fassung der Kindertagespflege-Skala

In den beiden zeitgleichen Foren am Nachmittag des 28. Februar ging es zum Einen um das Kompetenzprofil Kindertagespflege, welches auch bei unserem Fachtag im Jahr 2013 vorgestellt wurde. Zum Anderen wurde die seit langem erwartete, noch druckfrische neue Auflage der Kindertagespflege-Skala (TAS-R) vorgestellt. Die sich an der Originalfassung der Family Day Care Rating Scale aus den USA orientierende Skala zur Erfassung der Qualität pädagogischer Prozesse wurde vorrangig von Prof. Dr. Wolfgang Tietze auf den deutschen kulturellen Kontext angepasst. Sie ist erstmals im Jahr 2005 im deutschsprachigen Raum erschienen und wurde nun umfassend überarbeitet. Die Skala wurde erweitert, sodass fünf neue Qualitätskriterien und insgesamt 400 Qualitätsaspekte darin beschrieben werden.

TAS-R ist ein Instrument zur Feststellung und Unterstützung pädagogischer Qualität in der Kindertagespflege. Insofern bietet sie nicht nur eine gute Möglichkeit zur Fremdeinschätzung und als Hilfe bei Eignungsverfahren für Fachberaterinnen und Fachberater, sondern auch zur Selbsteinschätzung und Reflexion der eigenen Arbeit für Tagespflegepersonen. Selbstverständlich ist ein sensibler Umgang bei der Anwendung der Skala gefragt, auf die das eigens dafür entwickelte viertägige Training für Fachberaterinnen und Fachberater vorbereitet.

Weitere Informationen zur TAS-R und anderen hier erwähnten Themenfinden Sie über die Verlinkungen in der Box rechts oben.
 

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