Inhalt

Endlich wieder ein Stück „Normalität“!

Nachgefragt bei Tagesmutter Eleni Mbiena Yombock...

Wie haben Sie den Wiedereinstieg in Ihrer Kindertagespflege gestaltet?

Während der Schließungszeit habe ich die Kinder kaum gesehen, ich habe aber mit den Familien immer mal wieder telefoniert und ausgetauscht. Meine kleine Tochter hat in dieser Zeit ihre Tagesgeschwister sehr vermisst.

Vor der Schließungszeit betreute ich drei Kinder, da ich mein Betreuungsangebot in der Zwischenzeit zeitlich reduziert habe, wird ein Tageskind nun von einer Kollegin betreut. Also meinen Wiedereinstieg habe ich mit zwei Kindern gestaltet. Dazu haben wir uns hauptsächlich im Garten getroffen – zum Glück habe ich einen großen Garten. Die Eltern blieben anfangs noch eine kurze Zeit da, bis wir das Gefühl hatten, dass die Kinder wieder gut angekommen sind.

Die Kinder haben sich sehr gefreut wieder zu kommen und mir ist aufgefallen, dass sie sehr ausgeglichen und entspannt waren. Die exklusive Zeit, die sie gemeinsam mit den Eltern hatten, hat ihnen offensichtlich sehr gut getan.

Den Eltern ging es nicht anders, auch sie freuten sich über die Öffnung der Kindertagespflege und ein Stück „Normalität“. Meine Tageskinder konnten auch nach der langen Trennungszeit wieder daran anknüpfen, was vorher war. Ich denke, dass die Beziehungen in der frühen Kindheit sehr tragend sind und auch solche Zeiten überstehen.

Meine eigene 3jährige Tochter betreue ich aktuell auch mit, da sie noch bis zu den Sommerferien nicht ihren Kindergarten besucht. Auch bei ihr, genauso wie bei mir selbst, stelle ich fest, dass uns die „Auszeit“ wieder mehr zusammengeführt hat.

Gab es eine Neuaufnahme?

Zu meinen zwei Tageskindern kamen zwei Kinder Anfang und Mitte Juni neu dazu. Die ersten Kontakte habe ich, wenn es das Wetter erlaubt hat, draußen stattfinden lassen und die Räume habe ich den Eltern mit den nötigen Schutzmaßnahmen vorgestellt. Allerdings ist eines meiner neuen Kinder ein Geschwisterkind und somit sind viele Informationen überflüssig, weil sie den Eltern schon bekannt sind. In meiner Kindertagespflegestelle ist es eher die Regel, dass wir uns viel draußen aufhalten, so ist es auch keine Umstellung, die Eingewöhnung neuer Tageskinder auch hauptsächlich draußen zu gestalten.

Haben Sie bezüglich der Corona-Pandemie Ihr Konzept verändert?

Im Prinzip habe ich nichts Bemerkenswertes verändern müssen. Neben den vorgegebenen Hygienemaßnahmen, die wir als Tagesmütter selbstverständlich einhalten müssen, achte ich mehr darauf, dass die Kinder gesund sind, wenn sie zu mir kommen. In diesem Zusammenhang bin ich etwas strenger geworden, denn wenn die Kinder gesundheitlich angeschlagen kommen ist es für die anderen Kinder, meiner Familie und mich ein größeres Risiko. Dies versuche ich möglichst zu vermeiden. Die Eltern erlebe ich in diesem Punkt als sehr verständnisvoll, denn auch sie haben festgestellt, dass die Kinder in der betreuungsfreien Zeit so gesund wie noch nie waren.

Auch für manche Kindertagespflegepersonen sehe ich darin eine Chance für die eigene Selbstfürsorge, denn ich kenne einige Tagesmütter (mich selbst eingeschlossen), die ihr eigenes Wohlergehen auch mal zurückstellen, um den Betrieb am Laufen zu halten. Vielleicht hat uns die Krise gezeigt, darauf in Zukunft mehr zu achten. Wenn die Akzeptanz für Gesundheit von Eltern und deren Arbeitgeber wächst, könnten die Infektionsketten sicher auch unterbrochen werden.

Neben den normalen Hygienemaßnahmen achte ich jetzt noch mehr darauf, dass sich die Kinder häufiger die Hände waschen, aber Abstand halte ich natürlich nicht. Die Kinder in diesem Alter brauchen den direkten Körperkontakt, die Mimik und die sofortige Resonanz auf ihr Verhalten.

Welche Fragen beschäftigen Sie noch?

Ich bin gespannt, wie es weitergeht und ob wir zum Herbst noch einmal eine zweite Welle in der Corona-Pandemie erleben werden. Als Selbstständige begleitet mich immer ein gewisses Maß an Unsicherheit, aber ich fühle mich in dem Kooperationsprojekt der „Kinderbrücke“ in Wiesbaden sehr gut vernetzt und durch unsere pädagogische Fachberatung jederzeit unterstützt.

Auch denke ich, dass gerade in diesen Zeiten noch einmal deutlich wurde, was die Kindertagespflege zu bieten hat. Viele Eltern schätzen gerade jetzt die familiäre Betreuung mit einer konstanten Bezugsperson.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

Inhaltsblöcke